Nov 062010
 

Jana Herwig bittet dringend um Verbreitung! Folgende Mitteilung hat Sie gestern über die GfM Gesellschaft für Medienwissenschaft erreicht – Sie bittet dringend um Weiterleitung. Solche „grauen Archive existieren vermutlich, so lang es Fächer wie Theater, Film-, Fernseh- und Medienwissenschaft gibt. Über Jahrzehnte – und die finanzielle Situation der Universitäten hat sich bekanntlich nicht entspannt – garantierten sie, dass sich Forschende, d.h. Studierende wie Lehrende, überhaupt wissenschaftlich mit ihrem Gegenstand auseinander setzen konnten (der Zusammenhang zwischen Entstehung der Theaterwissenschaft und Aufzeichnungsmöglichkeiten ist bekannt). Ein Angriff auf solche Archive ist ein Angriff auf die Wissenschaft. Was über Jahrzehnte toleriert wurde, soll nun wohl im Zuge von Kriminalisierungskampagnen und Depublizierungswahnsinn unterbunden wurden. Ironischerweise werden Forschende dadurch erst recht auf die Nutzung von z.B. Torrent-Downloads angewiesen sein. In der Entscheidung gegen die Medienarchive der Uni Wuppertal hat es den Anschein, als würden Wissenschaft und Forschung zum in Kauf genommenen Bauernopfer von Lobbypolitik. Quo vadis, Deutschland, ehemals bekannt als Land der Dichter und Denker?

Hier die E-Mail von Vinzenz Hediger:

„Sehr geehrte Jana Herwig,
Liebe Mitglieder der GfM,

Die Uni Wuppertal will in einem Akt vorauseilenden Gehorsams ihr Medienarchiv vernichten.

Auf der Grundlage eines Rechtsgutachtens hat die Justiziarin der Universität Wuppertal in einem Schreiben verfügt, dass die umfangreichen Bestände an Fernsehmitschnitten des Zentrums für Informations- und Medienverarbeitung (ZiM) an der Bergischen Universität Wuppertal umgehend vernichtet werden müssen. Der Besitz solcher Bestände sei strafbar.

Der Vorstand der GfM schließt sich dem Protest des Aktionsbündnisses “Urheberrecht für Bildung Wissenschaft” gegen diesen Vorgang an. Bitte
lesen Sie auch den Blog-Eintrag unter Uni Wuppertal will ihr Medienarchiv vernichten

Überdies erfährt der Vorstand der GfM gerade aus dem Kreis der österreichischen Kollegen, dass die Österreichische Bundesregierung die Schließung aller außeruniversitären Forschungsinstitute per 2011/12 plant.
Betroffen sind insbesondere auch die für die medienwissenschaftliche Forschung höchst relevanten IFK und IWM. Weitere Informationen und eine Online-Petition gegen dieses Vorhaben finden sich hier: wissenschaft.research.at

Mit den besten Grüßen,
Vinzenz Hediger, Erster Vorsitzender, Gesellschaft für Medienwissenschaft“

  2 Responses to “Copyright frisst Forschungsfreiheit”

Comments (2)
  1. Schon arg, wie weit die Lobby schon ist und welche Möglichkeit sie in Betracht zieht, nur um für die eh schon längst abbezahlten Leistungen noch mehr verlangen zu können.
    Traurig, aber wahr.
    Dagegen gehört eindeutig etwas unternommen.

    Wenn sogar der Forschungs- und Wissenschaftsbereich angegriffen wird, zerstört man Innovationen.
    Schon mal daran gedacht, liebe Musik-/Filmindustrie?

  2. Hier noch ein Kommentar von digiom’s Blog von Karl-Wilhelm Schulte:

    Eine Sache wird auch durch vielfaches Zitieren nicht wahr… Als Leiter des ZIM der Bergischen Universität Wuppertal kann ich Ihnen nur mitteilen, dass Sie (wie auch die SZ) einer Fehlinformation aufgrund einer vollkommen veralteten Faktenlage des zitierten Schreibens aufgesessen sind.
    Das stammt vom Jahresanfang 2010 und war Zwischenstand einer sehr intensiven internen Diskussion über die urheberrechtliche Problematik unseres Medienarchivs. Schon im Frühjahr war dann klar, dass da nichts “vernichtet” werden würde. Letztlich ist dabei eine “Best-Practice”-Lösung für unsere Mediothek rausgekommen.
    Ich möchte Sie bitten, diese Tatsachen zu berücksichtigen und würde mich freuen, wenn der Name meiner Uni in Zukunft wieder etwas unaufgeregter benutzt würde.

    > 10. November 2010 2:21 pm

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